Kunstrasenplatz – zum Dritten

(c) Sarah Pflug/BURST Shopify
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Unser 1981 erbautes Sportzentrum erforderte in den zurückliegenden Jahren bereits erhebliche Instandsetzungsmaßnahmen. Vieles ist in die Jahre gekommen. Das passiert, wenn man nicht kontinuierlich pflegt oder saniert. Und nun ist der Investitionsstau da.

 

Los ging es mit der Heizung und Warmwasseraufbereitung, ein unerlässliches Muss.

 

2020 wurde aus der ehemaligen Gaststätte der Sportkindergarten. Die geplanten Kosten liefen schnell aus dem Ruder, da in der Planung die schlummernden Altlasten nicht bekannt waren.

 

Im selben Jahr wurde die Erneuerung des Stadions beschlossen. Tartanbahn, Tribüne und Flutlichtanlage. Hier waren ursprünglich Kosten von 1.125.000€ veranschlagt. Diese Kostenschätzung erwies sich als viel zu optimistisch, 2021 brauchte man zusätzliche 405.000€.

 

In 2025 wurde die Kegelbahn erneuert. Hier konnte, durch einen glücklichen Umstand, eine gebrauchte Anlage der WM günstig von der Gemeinde erworben werden. Viele Arbeiten erledigte die Abteilung Sportkegeln der SKG selbst. Die Sparkasse spendete weitere 25.000€.

 

Nun soll aus dem alten Ascheplatz ein Kunstrasenplatz zusätzlich zum Rasenplatz im Stadion geschaffen werden, weil es Zuschüsse aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ gibt.

 

Klingt erstmal gut, die Gemeindeverwaltung soll dazu den Antrag stellen. So der Wunsch der Mehrheit der Fraktionen der Gemeindevertretung, voran die SPD als Antragstellerin.

 

Doch WiR stellen uns die Frage nach den tatsächlichen Kosten, die an der Gemeinde und somit an allen Bürgern hängen bleiben würden. 2021 war der 2. Anlauf für Zuschüsse zu einem Kunstrasenplatz und Umwandlung des Handballfeldes in Ringtennisfeld, beziffert mit ca. 1.200.000€. Diese Zuschüsse wurden damals aber nicht genehmigt. Glaubt irgendjemand, dass diese Kosten seither nicht erheblich gestiegen sind?

 

„Die Kosten für den Neubau eines Kunstrasenplatzes umfassen viel mehr Positionen als den reinen Kunststoffrasen“, so die Umschreibung eines Herstellers.

Es ist nicht nur die bauliche Tätigkeit. Planung, Baunebenkosten, Maschinen zur Pflege des Kunstrasen, Drainage, Bewässerungsanlage usw. Es muss eine Zuwegung für die Baumaschinen hergestellt werden plus das ganze Drumherum, Wege, Fangzäune, Neue Tore, evtl. weitere Flutlichtanlage. 

Und: Die Lebensdauer eines Kunstrasenplatzes beträgt typischerweise 10-15 Jahre, danach muss der Belag erneuert werden. Mit sicherlich auch nicht unerheblichen Kosten für die Entsorgung. 

 

Im Übrigen muss der Kunstrasenplatz bei Eis und Schnee wie ein Rasenplatz gesperrt werden. Es sei denn, man wünscht sich noch eine Rasenheizung.

 

Die Umwandlung des Handballfeldes, welches aktuell nicht mehr nutzbar ist, weil sich Wurzeln der umliegenden Bäume in das Feld gearbeitet haben, wäre eine kleine Lösung, die einer sportlich sehr erfolgreichen Abteilung Ringtennis neue Möglichkeiten bieten könnte.

 

WiR sind grundsätzlich der Meinung, dass ein Kunstrasenplatz, ein Ringtennisplatz und weitere Umgestaltungen zu einem attraktiven und gern genutzten Sportzentrum unserer Gemeinde, dem Gemeinwohl und der Sportgemeinschaft guttun würde.

 

Aber, was jedoch in 40 Jahren nicht gemacht wurde, können wir nicht in kürzester Zeit aufholen. Nur weil es einen Zuschuss geben könnte, kann die Gemeinde Roßdorf (also wir alle) es aus finanzieller Sicht aktuell nicht stemmen. Und auch die Zuschüsse sind am Ende alles Steuergelder. 

 

Wenn die Kommunalaufsicht den anstehenden Haushalt 2026 nicht genehmigt und Roßdorf vorgibt, das Schwimmbad und andere Einrichtungen zu schließen, oder deutlich höhere Mieten von den Sportvereinen zu verlangen, oder die Grundsteuer Hebesätze noch mehr anzuheben, zeitgleich aber in einen teuren Kunstrasenplatz investiert, dann klingt das für viele Einwohner paradox.

 

WiR möchten, dass unsere Kommunalpolitiker mehr Weitsicht an den Tag legen als unsere Berufspolitiker, die weit weg vom Alltagsgeschehen sind. Wahlversprechen und -geschenke zur anstehenden Kommunalwahl 2026 können wir uns nicht leisten.

 

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit wird das Nachdenken eingespart. Es wird längst nicht mehr diskutiert und nach Lösungen gesucht, sondern nur noch emotionalisiert.

 

Wolfgang Waschke

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